Alternative Antriebe:20.000 mal elektrisch um die Erde

Bildquelle: Renault

Alternative Antriebe 20.000 mal elektrisch um die Erde

Langsam aber sicher fahren alternative Antriebe aus der Nische heraus. Elektro-Transporter spulen in der Citylogistik inzwischen beachtliche Fahrleistungen ab, und schwere Lkw mit Hybridantrieb spielen in der Lebensmittellogistik ihre Stärken aus.

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Allein schon der Trend zu größeren Städten – Stichwort „Reurbanisierung“ – zieht einen Bedarf an innovativen Transportlösungen nach sich. Immer mehr Waren müssen in die Städte geliefert werden, gleichzeitig fordert der Gesetzgeber eine deutliche Reduzierung von Treibhausgasen und Emissionen sowie die Einhaltung sich weiter verschärfender CO?-Grenzwerte. Zudem werden immer mehr Innenstädte mit Einfahrbeschränkungen belegt, um Smog und Feinstaubbelastung entgegenzuwirken. Wie Handel, Gewerbe und Logistikunternehmen das alles in Zukunft bewerkstelligen können, hat man sich auch bei Volkswagen Nutzfahrzeuge gefragt und eine Lösung mit der Studie „e-Co-Motion“ entwickelt. Basis ist ein elektrisch angetriebener Stadtlieferwagen.

Ein solcher Stadtlieferwagen, so Dr. Eckhard Scholz, Vorstandssprecher von Volkswagen Nutzfahrzeuge, sollte ausschließlich für den Elektro-Antrieb konzipiert sein, um eine Vielzahl nutzerrelevanter Fahrzeugeigenschaften zu erschließen. Wendigkeit bei geringer Verkehrsfläche und eine sehr gute Übersichtlichkeit durch eine hohe Sitzposition stehen ganz oben im Lastenheft eines solchen Projekts. Eine einfache Beladung durch eine niedrige Ladebodenhöhe und ein großes Ladevolumen gehören ebenso dazu. Die Ideallösung wäre, dass sich auf einer einheitlichen Bodengruppe möglichst viele unterschiedlichste Aufbaukonzepte und Kundenlösungen umsetzen lassen. Noch ist der „e-Co-Motion“ nicht auf dem Markt, aber die Leistungsdaten des Prototyps können sich sehen lassen. Die Dauerleistung des kompakten Aggregats beträgt 50 kW/68 PS, und als maximale Leistung sind 85 kW/115 PS abrufbar. Das maximale Drehmoment von 270 Nm reicht aus, um selbst maximal beladene Fahrzeuge ordentlich zu beschleunigen. Obwohl für den Stadtlieferverkehr konzipiert, regelt die Elektronik das Konzept e-Co-Motion erst bei 120 km/h ab. Damit sind Fahrten auf der Stadtautobahn und kurze Überlandfahrten möglich.

Andere Hersteller sind schon weiter. Bereits seit Ende 2011 stehen der Kangoo Z.E. und der Kangoo Maxi Z.E. von Renault als erste rein elektrisch betriebene Kompaktlieferwagen bei den Händlern. Die Elektrotransporter sind auf die Bedürfnisse gewerblicher Nutzer zugeschnitten und eignen sich speziell für den Einsatz im Stadtgebiet. Merkmale der aktuellen Modellgeneration 2013 sind das neue Markengesicht, der neue Stromanschluss für den Ladeprozess und das multifunktionalen Mediasystem mit Online-Anbindung. Der Elektromotor leistet 44 kW/60 PS bei 10.5000 1/min. Das maximale Drehmoment von 226 Nm steht antriebsbedingt bereits beim Anfahren zur Verfügung. Die Batterie kann per Standardladung an einer Wallbox innerhalb von sechs bis neun Stunden vollständig aufgeladen werden. Bei Bremsvorgängen wird durch Rekuperation die freigesetzte Energie zurückgewonnen und wieder in die Batterie eingespeist.

Dass E-Antriebe nicht nur kleine Autos und Transporter zuverlässig antreiben, sondern auch größere Fahrzeuge, hat Mercedes-Benz in einem Praxistest schon vor zwei Jahren gezeigt. Bis Ende 2011 hatten 100 „MB Vito E-Cell“ ein Jahr lang im Kundeneinsatz in Berlin und Stuttgart rund 650.000 Kilometer abgespult. Bisheriges Fazit von Mercedes-Benz: „Der Vito E-CELL eignet sich ideal für den innerstädtischen Betrieb.“ Mit ihm sei „die Vision vom emissionsfreien Fahren im Wirtschaftsverkehr Wirklichkeit geworden. Inzwischen fahren 230 Vito E-CELL in mehreren Modellregionen. Befürchtungen über eine zu geringe Reichweite hätten sich in der Praxis nicht bestätigt. Die belief sich einschließlich des Winterbetriebs auf mindestens 80 Kilometer pro Batterieladung – „in den weitaus meisten Fällen ausreichend“, so ein Unternehmenssprecher.

Schon seit 2010 im Markt ist der Verteiler-Lkw Mercedes-Benz „Atego“ mit Hybrid-Antrieb. Vor einigen Monaten hat Norbert Dentressangle, einer der führenden Logistikdienstleister in Europa, einen weiteren Atego BlueTec Hybrid in Betrieb genommen. Der 12-Tonner mit Kühlkofferaufbau wird vorrangig zur Distribution von Frischwaren und Tiefkühlkost eingesetzt. Mit der erneuten Investition in Hybrid-Technik will der französische Großspediteur seine Vorreiterrolle im Hinblick auf einen emissionsarmen, umweltverträglichen Verteilerverkehr unterstreichen.

Der Atego BlueTec Hybrid ist Europas erster Hybrid-Lkw, der in Serie produziert wurde. Aktuell befinden sich rund 120 Fahrzeuge des „Truck of the Year 2011“ bei deutschen – unter anderem bei Rewe und Lekkerland – sowie europäischen Unternehmen im Einsatz. Durch die zielgerichtete Integration der Hybridkomponenten und die einsatzspezifische Fahrzeug-Betriebsstrategie werden Kraftstoffverbrauch und CO?-Ausstoß um 10 bis 15 Prozent gesenkt – in Abhängigkeit von Topographie und Einsatzbedingungen können sich sogar noch höhere Einsparungen ergeben. Auch die Geräuschemissionen sind reduziert. Im Brems- und Schubbetrieb arbeitet der Elektromotor als Generator und speist Energie in Lithium-Ionen-Batterien, die dann in besonderen Lastsituationen zur Verfügung stehen. Daimler Trucks setzt beim Atego auf eine Architektur mit einem parallelen Hybrid, bei dem der Elektromotor hinter Verbrennungsmotor und Kupplung, aber vor dem Getriebe angeordnet ist. Bei diesem Aufbau können beide Motoren den Lkw einzeln oder kombiniert antreiben.

Der Antriebsstrang des Atego BlueTec Hybrid ist auf sein typisches Einsatzprofil als Allrounder ausgelegt: Der Verteiler-Lkw ist sowohl innerstädtisch in Ballungsgebieten als auch über Land sowie auf kurzen Autobahnstrecken unterwegs. Der Hybridantrieb bildet laut Daimler „eine wichtige Brückentechnologie“ auf dem Weg zum rein elektrischen und gänzlich emissionsfreien Fahren.

Bild: Renault bietet rein elektrisch betriebene Kompaktlieferwagen für gewerblicher Nutzer an.