Interview mit Carl-Jürgen Brandt - Brandt:Weicher Übergang

Bildquelle: Mugrauer

Interview mit Carl-Jürgen Brandt - Brandt Weicher Übergang

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Bei Zwieback-Hersteller Brandt ist jetzt die Folge-Generation im Unternehmen. Damit verbunden sind zukunftsgerichtete strukturelle Veränderungen.

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Familienunternehmen gelten als besonderes Konstrukt mit eingebautem Konstruktionsfehler – der Familie. Die Übergänge von Generation zu Generation gelten als besonders kritisch. Bei Brandt steht ein „weicher“ Übergang an. Wie der aussieht, beschreibt Firmenchef Carl-Jürgen Brandt.

100 Jahrfeier für die Zwiebackmarke Brandt – angesichts der zum Jahresbeginn erfolgten strukturellen Umbauten ist 2012 auch ein Meilenstein für die Zukunft?
Dass sich das so ergeben hat, ist eher zufällig. Aber wir sind schon stolz auf die 100 Jahre – eine Marke, die nicht viele Familienunternehmen schaffen. Und das ist auch nicht das alleinige Verdienst der agierenden Unternehmer-Familie, sondern in erster Linie loyaler, engagierter Mitarbeiter.

Aber ist das Jubeljahr nicht doch ein markanter Punkt für den Fortbestand des Familienunternehmens?
Ja und nein. Es ist kein Big Bang, wie es so schön heute heißt, aber die Weichen für die Zukunft sind gestellt. Meine Söhne Carl-Heinz und Christoph sind ja schon seit Ende 2010 im Unternehmen aktiv. Wenn sie die Umschreibungen harter bzw. weicher Übergang heranziehen, würde ich das Ganze als weich bewerten. Aber es ist schon eine spannende Situation für uns.

Was bedeutet das für Ihre Person auf der Zeitachse?
Ich werde mich jetzt noch nicht auf irgendein Lebensjahr festlegen, an dem ich mich ganz aus dem operativen Geschäft abschiede, aber ich kann sagen, dass ich mit 70 nicht mehr geschäftsführende Aufgaben erfüllen werde. Allerdings würde ich mir bei Akquisitionen, Kooperationen etc. noch ein Entscheidungsrecht ausbedingen.

Glauben Sie demnach fest daran, abgeben zu können?
Ich bin mit meiner Frau, die ja im Unternehmen die Nr. 2 ist, konform, dass wir nicht bis in alle Ewigkeiten im Tagesgeschäft aktiv sein werden. Meine Eltern waren bis zum Tod tagtäglich vor Ort. Das habe ich hautnah mitbekommen und für mich daraus den Schluss gezogen, dass dies nicht erstrebenswert ist. Daher halte ich mich heute schon aus bestimmten Entscheidungsbereichen heraus. Und noch eins: Hat man zeitliche Vorgaben geschaffen, müssen sie eingehalten werden. Immer wieder zu verlängern, bringt nur Unruhe ins Unternehmen.

Hatten Ihre Söhne denn die Chance, sich anders zu entscheiden?
Sie hatten sowohl die freie Berufswahl als auch die freie Entscheidung für oder gegen den Unternehmenseintritt. Ihre Schwester hat sich beruflich ja ganz anders entwickelt und arbeitet heute im sozialen Bereich. Natürlich sind die Kinder mit dem Unternehmen aufgewachsen, und eigentlich fiel die erste Entscheidung für den Einstieg etwa im Alter von 15 Jahren. Dass es nun so passt, sehe ich aber nicht als Selbstverständlichkeit, wenn man sich die Geschichte anderer familiengeführter Unternehmen vor Augen führt.