Rotkäppchen „Wir wollen Authentizität und kein weichgespültes Konzept“

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Christof Queisser, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rotkäppchen-Mumm, sprach im Interview mit der LP über Innovationen, die Herausforderungen auf dem Sektmarkt sowie seine Sicht auf den deutschen LEH. 

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»Sie haben sich lange Zeit gelassen und sind erst 2014 mit Rotkäppchen Fruchtsecco in den innovativen Markt der weinhaltigen Mischgetränke eingestiegen. Lange nach dem Hype um Spritz, Hugo und Co. Befindet sich Rotkäppchen-Mumm am Puls der Zeit? 

Christof Queisser: Ich denke schon. Was ist denn das wirklich Wichtige bei Neuprodukten und Innovationen? Für uns ist es relevant, dass sich die Produkte am Markt durchsetzen und auch noch in zwei Jahren im Regal stehen. Alle Produkte, die wir seit 2006 eingeführt haben, können Sie auch heute noch kaufen. Beim Thema Weinmischgetränke haben wir uns Zeit gelassen, an der richtigen Entwicklung, dem richtigen Geschmack gefeilt. Der Erfolg gibt uns recht: In den ersten 12 Monaten konnten wir mehr als 10 Mio. Flaschen Fruchtsecco absetzten und uns somit an die Spitze in diesem Segment setzen.

Sie zielen mit Fruchtsecco auf eher junge und weibliche Verwender. Ist das die Zielgruppe, von der Sie sich in Zukunft am meisten Wachstum versprechen?

Unser Geschäft orientiert sich zum einen an Zielgruppen, zum anderen aber immer stärker an Anlässen. Es kann sein, dass ein loyaler Rotkäppchenverwender für einen offiziellen Empfang Mumm kauft, weil diese Marke vom Image sehr hochwertig ist. Für Fruchtsecco sehen wir beispielsweise einen unkomplizierten Sommerabend mit Freunden. Das Schöne an dem Produkt ist, dass es für uns kaum Kannibalisierungseffekte gibt. Wir machen uns mit Fruchtsecco keine Konkurrenz, denn zu so einem formlosen Anlass werden sonst in der Regel eher Biermischgetränke oder Wein konsumiert. Für den Geburtstag kann der Verwender dann wieder zum klassischen Sekt greifen. Auch das Thema Grillen ist für uns spannend: Hier werden immer häufiger Weinmischgetränke konsumiert. Den Trend zum Direktverzehr bei solchen Anlässen wollen wir beispielsweise mit unseren neuen Fruchtsecco- und Jules Mumm Plus-Kleinflaschen bedienen.

Die zahlreichen Neuheiten sind aber auch eine Herausforderung für die Händler. Der Platz in den Regalen ist schließlich begrenzt.

Wir hatten viele Jahre bei den Schaumweinen eine eher statische Platzierung. Da war wenig Bewegung drin und wenn, dann wurde die Fläche zu Gunsten von Wein reduziert. Mit dem Erfolg der Weinmischgetränke ist auch eine neue Platzierung notwendig, denn diese Produkte werden von den Verbrauchern als eigene Kategorie wahrgenommen und sollten im Markt auch so präsentiert werden. Sie stehen mehr in Konkurrenz zu den Biermischgetränken als zum klassischen Sekt.

Die starke Nachfrage nach solchen Neuheiten kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der klassische Sektmarkt in Deutschland schwächelt. Woran liegt das?

Das muss man aus einer längeren Perspektive sehen. Es stimmt, dass der Gesamtmarkt im vergangenen Jahr um 5 Prozent zurückgegangen ist. Allerdings gab es die Jahre davor auch ein starkes Wachstum, getrieben durch Mixgetränke wie Spritz oder Hugo, die mit einer Flasche Sekt Zuhause selbst gemixt wurden. Heute greift der Konsument eher zum Premix, was zu einem leichten Rückgang beim Sekt führt. Diese Entwicklung ist aber keine bedrohliche Schwäche des Sektmarktes und auch der Pro-Kopf-Verbrauch zeigt sich mit 3,9 l stabil.