Die Parfümerie Thiemann mit Niederlassungen in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt hat ein Planinsolvenzverfahren in Eigenverantwortung eingeleitet. Dieser Schritt sei notwendig geworden, weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv verändert hätten. In der Mitteilung der Firma heißt es: „Besonders die Folgen der Corona-Pandemie, die damit verbundenen Kreditlasten und langfristige Mietverträge an Standorten, deren Frequenz sich nach der Pandemie nicht ausreichend erholt hat, haben unser Unternehmen stark belastet.“
Corona-Pandemie mit massiven Auswirkungen
Im Rahmen der Sanierung würden alle Strukturen und Standorte sorgfältig geprüft. Das bedeute aber nicht, dass automatisch alle Filialen geschlossen würden. Konkrete Entscheidungen zu einzelnen Standorten werden nach Firmenangaben erst kommuniziert, wenn sie belastbar feststehen. Der Verkauf in den Filialen und im Online-Shop läuft zunächst weiter.
In der Stellungnahme von Thiemann wird erläutert: „Vor der Corona-Pandemie war die Parfümerie Thiemann auf einem stabilen Weg. Im Jahr 2019 waren wir kurz davor, nahezu schuldenfrei in die Zukunft zu gehen. Dann kam Corona. Filialen mussten zeitweise schließen oder konnten nur eingeschränkt arbeiten. Gleichzeitig liefen viele Kosten weiter. Statt Zuschüsse musste das Unternehmen einen erheblichen Corona-Kredit aufnehmen. Diese Belastung wirkt bis heute nach.“
Langfristige Mietverträge machen zu schaffen
Hinzu seien langfristige Mietverträge, insbesondere in Einkaufscentern, gekommen, deren wirtschaftliche Realität sich nach der Pandemie deutlich verändert habe. Frequenzen gingen zurück, Leerstände nahmen zu, Kosten und Mieten stiegen weiter.
In Sachen Einkaufscentern führt Thiemann aus: „Viele Einkaufscenter haben nach der Corona- Pandemie nicht wieder die Frequenz erreicht, die für stationäre Händler notwendig wäre. Gleichzeitig bestehen vielerorts langfristige Mietverträge, Indexanpassungen und hohe laufende Kosten weiter. Undurchsichtige Werbekostengemeinschaften der Center belasten außerdem. Für ein mittelständisches Unternehmen entsteht daraus eine schwierige Lage: Wenn Kundenströme sinken, Leerstände zunehmen und die Kosten gleichzeitig steigen, wird ein Standort irgendwann wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.“