Arbeitsmarktbarometer Auch im Handel wird weniger eingestellt

Der deutsche Arbeitsmarkt verliert zur Jahresmitte deutlich an Schwung, zeigt das Arbeitsmarktbarometer der Manpower Group: Die 1.087 teilnehmenden Unternehmen prognostizieren für das 3. Quartal 2026 einen saisonal bereinigten Netto-Beschäftigungsausblick (NBA) von 6 Prozent. Auch der Bereich Handel und Logistik schwächelt deutlich.

Dienstag, 09. Juni 2026, 10:13 Uhr
Thomas Klaus
Geringere Einstellungsbereitschaft: Der Wert ist der niedrigste seit fünf Jahren. Bildquelle: Getty Images

Für das dritte Quartal 2026 rechnen die Unternehmen, die von dem Personaldienstleistungsunternehmen Manpower Group für das aktuelle Arbeitsmarktbarometer befragt wurden, nur noch mit einem NBA von 6 Prozent. Damit erreicht Deutschland den niedrigsten Wert seit dem 2. Quartal 2021 – und fällt im Vergleich zum Vorquartal um 11 Prozentpunkte. Gegenüber dem Vorjahr beträgt das Minus 14 Punkte. Bereits im zweiten Quartal hatten die Einstellungsabsichten spürbar nachgelassen. Die aktuelle Untersuchung wurde Ende April 2026 abgeschlossen.

Eigentlich notwendige Dynamik im Markt gedämpft

Ein genauerer Blick auf die Personalplanung der Unternehmen zeigt vor allem eines: Vorsicht. 45 Prozent planen in den Monaten Juli bis September keine Veränderung der Personalstärke, fast jeder dritte Arbeitgeber (30 Prozent) will weiterhin in kleinem Maßstab Personal aufbauen und 24 Prozent rechnen mit einem Abbau. Der Markt wird damit weniger von plötzlichen Entlassungswellen geprägt, sondern von einer spürbaren Zurückhaltung bei Neueinstellungen. Das dämpft nach Darstellung der Manpower Group die eigentlich notwendige Dynamik im Markt: Wechsel dauern länger, Einstiegsrollen werden seltener, und gerade Berufseinsteiger sowie Wiedereinsteiger haben es schwerer, eine Chance zu bekommen.

Mix aus wirtschaftlichen Belastungen und strukturellen Anpassungen

„Die Lage ist widersprüchlich: Die konkreten Planungen der Unternehmen verdeutlichen eine wachsende Vorsicht, gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel aber real. Genau das macht diese Phase für den Arbeitsmarkt so entscheidend“, sagt Faris Bećirović, Country Manager und Vorsitzender der Geschäftsführung der Manpower Group Deutschland. „Unternehmen müssen schon heute klären, welche Skills und Arbeitsmodelle sie morgen brauchen. Denn wenn die Wirtschaft wieder anspringt, kämpfen alle gleichzeitig um die besten Talente.“

Fragt man diejenigen Unternehmen, die für das dritte Quartal einen Stellenabbau erwarten, nach ihren Gründen, steht ein Mix aus wirtschaftlichen Belastungen und strukturellen Anpassungen im Vordergrund. Am häufigsten werden wirtschaftliche Herausforderungen genannt (38 Prozent), die sich negativ auf die Geschäftslage auswirken. Dahinter folgt ein Muster, das zur aktuellen Marktlage passt: 32 Prozent sagen, dass Mitarbeiter das Unternehmen verlassen und freiwerdende Stellen aufgrund des Fachkräftemangels nicht nachbesetzt werden können.

13 Prozent nennen Automatisierung als Grund

26 Prozent der Unternehmen reduzieren Personal, um die Kapazitäten an die rückläufige Nachfrage anzupassen, 20 Prozent verweisen auf geopolitische Unsicherheiten. Darüber hinaus spielen Effizienzprogramme und Rollenbündelungen sowie Marktveränderungen (jeweils 18 Prozent) eine Rolle; Automatisierung wird von 13 Prozent als Grund für einen sinkenden Personalbedarf genannt.

Bećirović verbindet den Blick auf die Zahlen mit einer klaren Botschaft an Unternehmen: „Wer nur abwartet, verliert im nächsten Aufschwung Zeit. Aus Sicht der Manpower Group geht es jetzt vor allem darum, Hemmnisse im Recruiting und Workforce Management zu reduzieren. Beispiele dafür sind langsame Prozesse, zu enge Anforderungsprofile oder fehlende Flexibilität in der Personalplanung. Unternehmen, die ihre Prozesse jetzt schon straffen, Talentzugänge sichern und interne Qualifizierung ausbauen, können beim Anziehen der Nachfrage schneller skalieren und mit dem Markt überproportional wachsen.”

Erwartungen können stark drehen

Die Entwicklung fällt je nach Branche unterschiedlich stark aus – allerdings mit einem klaren Vorzeichen: In fast allen Bereichen gehen die Beschäftigungsaussichten zurück. Bau & Immobilien bildet den deutlichsten Gegenpol zum allgemeinen Abwärtstrend. Der Sektor steigt auf einen NBA von 24 Prozent und verbessert sich damit um 16 Punkte gegenüber dem Vorjahr. Mit einem Plus von 8 Prozentpunkten ist er zudem der Einzige, der sich im Vergleich zum Vorquartal steigern kann.

Ebenfalls im positiven Bereich liegen Versorgung & natürliche Ressourcen mit 18 Prozent (+15 Prozentpunkte) sowie Information & Kommunikation mit 14 Prozent (+13 Prozentpunkte). Bei beiden Branchen zeigt sich aber auch, wie stark die Erwartungen drehen können – im Quartalsvergleich geht es um 11 beziehungsweise 20 Prozentpunkte deutlich zurück.

Niedrigster Wert im verarbeitenden Gewerbe

Deutlich pessimistischer fällt der Ausblick im verarbeitenden Gewerbe aus. Der NBA rutscht auf -13 Prozent – der niedrigste Wert aller Sektoren und ein klares Signal für den Druck in der Industrie. Ein negativer NBA bedeutet, dass die Unternehmen dieser Branche mehrheitlich Stellen reduzieren möchten. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei +18 Prozentpunkten. Auch professionelle, wissenschaftliche & technische Dienstleistungen liegen nur noch bei 4 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 34 Punkten. Das Gastgewerbe (5 Prozent), Handel & Logistik (6 Prozent) sowie Finanzen & Versicherungen (7 Prozent) bewegen sich ebenfalls nur noch im unteren einstelligen Bereich.

International fällt Deutschland zurück

Im internationalen Vergleich fällt Deutschland weiter zurück. Während der globale Durchschnitt der Beschäftigungsaussichten für Juli bis September bei 26 Prozent liegt (2. Quartal 2026: 31 Prozent; 3. Quartal 2025: 24 Prozent), findet sich Deutschland nur noch im unteren Feld der 42 untersuchten Länder wieder. Gleichzeitig zeigt der Blick nach Europa ein geteiltes Bild: Frankreich und Italien sind mit jeweils 3 Prozent ähnlich schwach, Rumänien bildet mit minus 12 Prozent sogar das Schlusslicht. Auf der anderen Seite gibt es aber auch positive Gegenbeispiele: Schweden erreicht 34 Prozent, die Niederlande 23 Prozent, und auch das Vereinigte Königreich liegt mit 37 Prozent deutlich über dem globalen Schnitt.

Deutliche Eintrübung bei großen Arbeitgebern

Nach Unternehmensgröße zeigt sich ein stark differenziertes Bild. Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten können als einzige zulegen und kommen im dritten Quartal auf einen NBA von 13 Prozent, nach 3 Prozent im Vorquartal und 0 Prozent im Vorjahr. Deutlich zurückhaltender sind Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern: Ihr Beschäftigungsausblick fällt auf 7 Prozent (2. Quartal 2026: 18 Prozent).

Besonders deutlich ist die Eintrübung bei großen Arbeitgebern: Unternehmen mit 1.000 bis 4.999 Mitarbeitern rutschen sogar ins Minus (minus 8 Prozent) und verlieren massiv gegenüber dem Vorquartal (minus 19 Prozent) sowie dem Vorjahr (minus 38 Prozent). Auch die größten Unternehmen mit 5.000 oder mehr Beschäftigten bleiben mit 2 Prozent auf sehr niedrigem Niveau (minus 12 Prozentpunkte).

Insgesamt deutet das darauf hin, dass vor allem größere Organisationen ihre Personalplanung derzeit stark drosseln – während kleinere Betriebe punktuell Chancen sehen und schneller reagieren.

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