Warenverkaufskunde Fruchtwein

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Nische hin oder her: Auf die Listung von Fruchtwein kann kein Vollsortimenter verzichten. Dafür sind die Produkte regional dann doch zu bedeutend.

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Fruchtwein ist ein Nischenprodukt. Insgesamt gibt es in Deutschland ca. 220 Betriebe, die Frucht- und Fruchtschaumwein herstellen und damit einen Umsatz von rund 109 Mio. Euro. erwirtschaften. Damit stellen aus Früchten gekelterte Weine im Vergleich zum Gesamtmarkt Wein zweifellos ein kleines Segment dar. In bestimmten Regionen steigt die Bedeutung aber und sollte nicht unterschätzt werden. So wird in Hessen zehn Mal so viel Apfelwein getrunken wie im übrigen Bundesgebiet. Auch zu bestimmten saisonalen Anlässen geht der Konsum des Fruchtweines in die Höhe, so dass die Kategorie für jeden Händler ein lukratives Zusatzgeschäft bedeuten kann. Im internationalen Vergleich zeigt sich zudem das Potenzial der Getränke: Kamen die Deutschen 2013 gerade einmal auf einen Verbrauch von 0,8 l pro Kopf, werden in Großbritannien 15,4 l Fruchtwein konsumiert.

Aber widmen wir uns zunächst einmal der Geschichte von Apfelwein und Co.: Vergorene Fruchtsäfte mit oder ohne Zusatz von Honig waren die ersten alkoholischen Getränke, die die Menschen kennen lernten. Pioniere bei der Herstellung waren die Griechen, die schon vor Beginn unserer Zeitrechnung nicht nur Trauben, sondern auch Äpfel, Datteln, Feigen und andere Früchte vergoren haben. Auch Römer und Germanen kannten Obst- und Fruchtweine. Met (Honigwein) galt im germanischen Mythos sogar als Göttertrank. Bis ins Mittelalter war Honigwein äußerst beliebt. Apfel- und Fruchtweine machten ab dem späten Mittelalter Karriere. Besonders der Raum und Frankfurt am Main entwickelte sich ab dieser Zeit zur Hauptstadt des Apfelweines (siehe Kasten). Seit etwa 80 Jahren hat sich die industrielle Herstellung von Apfelwein und Fruchtwein etabliert. Dies hat zur Folge, dass die ursprünglich von den Obstbauern als Nebenprodukt gekelterten Getränke, die vor Ort im Hofladen verkauft wurden, in Deutschland inzwischen von namhafte n industriellen Erzeugern hergestellt und überregional oder sogar bundesweit vermarktet werden. Als klassische Fruchtweinsorten sind bei uns vor allem Kirsch-, Erdbeer-, Johannisbeer-, Heidelbeer- und Brombeerwein gefragt. Wer es ausgefallener mag, entscheidet sich für Schlehen-, Pflaumen- oder Sanddornwein. Zudem sorgen innovative Produkte wie Fruchtwein-Cocktails und andere Mischgetränke auf Apfel- und Fruchtweinbasis für neue Impulse im Markt.

Die Herstellung von Fruchtwein unterscheidet sich im Grunde genommen nicht zu sehr von der anderer alkoholischer Getränke. Die klassische Methode der Herstellung ist die Maischegärung, bei der die gemahlenen Früchte zunächst durch Zusatz von Hefe drei bis sechs Tage vergoren werden. Maischen wird auch beim Bierbrauen, der Weinproduktion oder der Herstellung diverser Spirituosen angewandt. Generell ist zu unterscheiden zwischen einer Maische, bei der Stärke in Zucker umgewandelt wird (bspw. bei Getreide/Mälze oder Kartoffeln) und der Obstmaische, bei der Zucker in Alkohol vergärt wird. Fruchtweine werden entweder direkt aus Steinobst, Beeren, Wild- oder Südfrüchten oder aus dem Saft dieser Früchte hergestellt. Nachdem die gemahlenen Früchte zunächst durch Zusatz von Hefe drei bis sechs Tage vergoren werden, erfolgt das Pressen. Anschließend wird der Fruchtwein weiter vergoren, bis er einen Alkoholgehalt von 5,5 bis 9 Volumenprozent hat. Da bei der Herstellung Früchte von unterschiedlichem Säuregehalt verwendet werden, müssen Wasser und/oder Zucker zugegeben werden, damit sich ein geschmacklich harmonischer Fruchtwein entwickeln kann.

Dass der Markt, trotz seiner relativ gesehen geringen Bedeutung, sich immer wieder dynamisch entwickelt, liegt unter anderem an Trend-Getränken wie Fruchtweincocktails . Cocktails und Bowlen haben gerade zur Sommerzeit Hochsaison. Auch bio Erzeugnisse und und im Winter wärmende Heißgetränke wie Fruchtglühwein setzten Impulse. Fruchtglühweine werden zu 100 Prozent aus Fruchtwein hergestellt und mit Gewürzen wie Zimt oder Nelken verfeinert. Die trinkfertig angebotenen Produkte brauchen nur noch erhitzt zu werden. Und auch eine aus dem Mittelalter stammende Variante hat bis heute überlebt und sorgt für Vielfalt im Fruchtwein-Segment: Der Honigwein, vielen besser bekannt als Met. Diese Variante wird durch das Vergären einer Mischung aus Honig und maximal zwei Teilen Wasser hergestellt. Hefe setzt die Vergärung in Gang. Um den Honigwein haltbar zu machen, darf eine geringe Menge Fruchtsäure zugesetzt werden. Die nochmalige Honigzugabe rundet das Getränk ab. Seinen aromatischen, honigsüßen Geschmack verdankt es allein dem Honig, die Zugabe von Zucker vor oder nach der Gärung ist nicht erlaubt. Einige Honigweinvarianten we rden mit Gewürzen (bspw. Anis, Ingwer, Muskat, Zimt) und/oder Kräuterauszügen verfeinert. Dies gilt vor allem für Honigweingetränke, die in den Wintermonaten heiß getrunken werden. Honigwein hat in der Regel einen Alkoholgehalt von 9 bis 12 Volumenprozent.