Interview mit Karin Wahl Visitenkarte des Ladengeschäfts

Schaufenster können neue Kunden anlocken. Ein Schaufenster kann aber auch das Gegenteil – Kunden vom Betreten des Ladengeschäfts abhalten. Da könnte es sich lohnen, der Gestaltung des Schaufensters mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

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Eine Weile schien es, als spiele das Thema Schaufenstergestaltung im Handel eine eher untergeordnete Rolle. Doch verfolgt man die jüngste Entwicklung, ist festzustellen, dass ein Umdenken stattfindet. Tatsächlich sind bei der Schaufenstergestaltung viele Fehler möglich. Karin Wahl, Spezialistin für Wareninszenierungen, erläutert, was bei der Dekoration von Schaufenstern zu beachten ist. Wahl wurde erst 2012 mit dem „Award for Best Visual Marketing“ Europe ausgezeichnet. Ihre Kompetenzen liegen in der Schaufenstergestaltung. Zudem ist sie Fachfrau für Showroom- und Messestand-Gestaltung, Fotostyling, Entwurf- und Konzepterstellung.

Frau Wahl, wer sollte sich um die Schaufenstergestaltung kümmern und was muss derjenige an Know-how mitbringen?
Karin Wahl: Das Gestalten von Schaufenstern benötigt neben Geschick und Ideenreichtum auch handwerkliches Können. All dies wird in einer klassischen, dreijährigen Ausbildung vermittelt. Unser Berufszweig heißt seit 2004 „Gestalter für visuelles Marketing“. Erst eine solche Ausbildung ist die Basis für eine fachlich fundierte Beurteilung einer werbewirksamen Gestaltung und dem damit verbundenen, notwendigen Aufwand. Da gerade kleinere Einzelhändler ihr Schaufenster meist selbst gestalten und sich dabei oft schwer tun, sollten sie sich von einem Profi unterstützen lassen. Denn das Schaufenster ist der wichtigste Werbeträger vor Ort. Dies sollte auf keinen Fall ungenutzt bleiben. Nur ein professionell gestaltetes Schaufenster transportiert die Botschaft und dient als Lockmittel. Das bloße Hinstellen von Waren reicht meist nicht aus. Schaufenster müssen Emotionen hervorrufen und zu Impulskäufen führen.

Auf was ist bei der Gestaltung von Schaufenstern zu achten, kann man etwas falsch machen?
Ein Schaufenster muss ein positives Gefühl auslösen, um den Betrachter in den Bann zu ziehen. Idee, Ware, Farbe, Form und Gestaltungselemente müssen dabei sorgsam aufeinander abgestimmt werden. Grundregeln wie Aufbauprinzipien, Blickführung, Einsatz von Kontrasten etc. dienen dazu, den Gesamtaufbau harmonisch zu gestalten. Wichtig ist der Grundsatz: „Weniger ist mehr“. Es wird immer noch der Fehler gemacht, so viel wie möglich in ein Schaufenster zu packen. Nein, Appetithäppchen reichen. Machen Sie Ihren Kunden neugierig. Ein zu volles Fenster sieht sich keiner mehr an. Denken Sie an die Reizüberflutung. Bieten Sie einfache Bilder und Geschichten an, die schnell verstanden werden. Unterschätzt wird auch oft das Thema „Licht“. Nur was im Licht steht, kann wahrgenommen werden. Nur mit dem richtigen Licht kann Stimmung erzeugt werden. Neonröhren im Fenster allein schaffen das nicht. Ordnung und Sauberkeit sind zu beachten. Ein umgefallenes Preisschild kann schon negativ auf den Gesamteindruck wirken. Nur ein perfekt gestaltetes Schaufenster zieht Passanten an.

Wie oft im Jahr sollte die Gestaltung des Schaufensters aktualisiert werden?
Das kommt natürlich ganz darauf an, wo sich dieses Schaufenster befindet und für was das Schaufenster steht. Sollen Trends gezeigt werden, ist spätestens nach drei bis vier Wochen ein Wechsel angeraten. Hat das Geschäft Passanten und Kunden, die tagtäglich vorbeigehen, weil es z.B. ihr Arbeitsweg ist, kann es durchaus früher notwendig werden. Ganz wichtig ist, auf die saisonalen Gegebenheiten einzugehen und dann vielleicht öfter einen Warenwechsel zu machen. Das heißt, der Dekorationsaufbau bleibt und es wird nur die Ware getauscht, um so ein neues Bild zu erzeugen. Befinden sich Ende Januar noch die Christbaumkugeln im Fenster, ist es höchste Eisenbahn für einen Wechsel!

Was empfehlen Sie Betreibern von Ladengeschäften und spielt die Schaufenstergestaltung in Shoppingcentern und im LEH überhaupt eine Rolle?
Ich sprach ja schon von der Reizüberflutung. Gerade in Shoppingcentern passiert nicht nur optisch jede Menge. Allein die Geräuschkulisse ist extrem hoch. Es gibt kaum Ruhezonen, wo sich der Besucher all dem entziehen kann. Da der Mensch mit allen Sinnen seine Umgebung wahrnimmt, sollte versucht werden, darauf einzugehen und dies nicht noch zu verstärken. Es müssen in der Außendarstellung einfache Bilder geboten werden, die nicht überfordern. Schaufenster dienen als Stopper und können selbst in Shoppingcentern und bei Lebensmittelhändlern sinnvoll eingesetzt werden. Auch hier begeben sich ja die Passanten auf eine Reise, der eine schneller, der andere langsamer. Bei einem klassischen Supermarkt macht ein Schaufenster wenig Sinn, da hier die Kunden ja gezielt kommen. Ein kleiner Spezialitäten-Laden sollte jedoch mit einer schönen Szene auf sein Sortiment aufmerksam machen. Ein alter Tisch, ein paar Weinkisten aufgestapelt, ein paar Strohballen fungieren als Hingucker, dazu ein paar Produkte aus dem Sortiment, eine Schiefertafel mit Hinweisen und schon kann auf sich aufmerksam gemacht und Bedürfnisse geweckt werden.

Schaufensterwettbewerb
In der Stadt Halle hat es Tradition, die Händler jedes Jahr zu den Händel-Festspielen zum Schaufensterwettbewerb aufzurufen. Veranstalter ist die City-Gemeinschaft Halle e. V. und die Stiftung Händel-Haus. Mit jährlich wechselndem Motto werden die Kunden mit der Aktion auf die Händel-Festspiele eingestimmt. Die Schaufenster werden mit Händel-Büsten, Notenblättern, Musikinstrumenten und mehr gestaltet. Die Jury bewertet im gemeinsamen Rundgang den Bezug zu den Händel-Festspielen und zum Sortiment sowie die Kreativität bei der Ideen-Umsetzung. Die Preisvergabe findet zeitnah im Händel-Haus statt und traditionell lädt der Oberbürgermeister zum gemeinsamen Mittagessen ein.
  • Veranstalter: City-Gemeinschaft Halle e.V.
  • Mitglieder: 41
  • Ziel: Steigerung der Attraktivität der Innenstadt
  • Internet: www.city-gemeinschaft-halle.de