Ernährungsindustrie Deutschland in XXL

In der Diskussion um dicke Deutsche ist die Ernährungsbranche in der Defensive

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Es dürfte weitgehend unbestritten sein: Übergewicht kommt vom Essen. Von zu viel und falscher Nahrung. Das macht es leicht, über Ursachen zu diskutieren und die Schuldigen auszumachen. Das trifft dann regelmäßig die Ernährungsindustrie, die Lebensmittel zu fett, zu süß und mit falschen Versprechungen an Mann und Frau bringen soll.

Danach wird der Raum für eine differenzierte Betrachtung enger: Natürlich trägt auch Bewegungsmangel nicht unerheblich zu Übergewicht oder gar Fettleibigkeit und den daraus entstehenden Krankheiten bei. Dass aber auch psychosoziale Faktoren (Essen gegen Stress oder Einsamkeit, Frustessen) eine Rolle spielen, kommt meist genauso zu kurz wie Stoffwechselerkrankungen oder eine genetische Veranlagung zur vermehrten Speicherung von Fett. Es gibt übrigens noch mehr mögliche Ursachen für Übergewicht: falsche Ess-Vorbilder in der Familie, Binge Eating (Fressattacken), Jo Jo-Effekt oder der verminderte Energiebedarf ab dem 40. Lebensjahr.

Alles in allem ein ungeheuer komplexes Problem, welches die Ernährungsindustrie natürlich keinesfalls legitimiert, Produkte mit falschen Versprechungen oder gar als Verbrauchertäuschung auf den Markt zu bringen.

Denn die Branche ist an dem Pranger, an dem sie öfter steht, nicht unschuldig: Wenn mit gesunder Milch geworben, aber Fett und Zucker geliefert werden, wenn ein Kokos-Mango-Drink ausgelobt wird, der nur 12 Prozent Mango und Kokos und ansonsten vor allem preiswerten Apfelsaft enthält, oder wenn Verzicht auf Geschmacksverstärker kommuniziert, aber Hefe-Extrakt eingesetzt wird – dann sind das vielleicht Einzelfälle, aber sicher keine vertrauensbildenden Maßnahmen. Dem muss sich die Branche stellen, dazu bieten sich Branchenforen, wie zum Beispiel die Internationale Süßwarenmesse in Köln, hervorragend an.