HIT 2014 Die Wachstums-Motoren

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Neue Produkte beleben das Geschäft – für den ein oder anderen gibt es deshalb zu wenig davon. Das ist aber eine Frage des Blickwinkels. Die HIT-Befragung der LP hilft.

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„Die Lebensmittelindustrie ist zu innovationsscheu.“ Der, der das schon öfter sagte, ist kein Geringerer als Markus Mosa, Vorstandsvorsitzender der Edeka AG und damit der größten deutschen Lebensmittel-Handelsgruppe. Es fehle der Industrie an Mut zu wirklich Neuem, stattdessen liefere man Me-too-Produkte. Das ist starker Tobak, der noch schwerer verdaulich wird, weil die Konsequenz aus dieser Erkenntnis der intensive Ausbau der Eigenmarken bei Edeka ist – verbunden mit dem Anspruch, selber höchst innovativ sein zu wollen.

Andererseits ist die angebliche Übervorsicht der Hersteller von Gütern des täglichen Bedarfs für Beobachter der Branche aber auch gut nachvollziehbar. Werden ihnen doch seit Jahren die hohen Fehler- bzw. Flopquoten vorgeworfen, taxiert zwischen 70 und 90 Prozent. Da darf man schon mal vorsichtig sein. Andererseits: „Auf der Suche nach guten Ideen müssen wir aushalten, dass wir erst am Ende wissen, ob es sich gelohnt hat!“ Sagt derInnovations-Psychologe Christoph Burkhardt, der an verschiedenen Universitäten lehrt und Organisationen in ganz Europa zum Innovationsmanagement berät. Und er meint auch, dass Fehler gemacht werden müssen, um die wirklich guten Ideen zu finden. Ein gewisses Maß an Fehlern – oder Flops – ist dabei geradezu systembedingt, denn um einen bestimmten Bedarf zu decken oder ein Problem zu lösen, werden zunächst verschiedene Ansätze gebraucht, um letztlich den richtigen zu finden.

Die Notwendigkeit von Innovationen als Treiber von Wachstum ist – unabhängig von der Branche – unstrittig. Aber gerade Handel und Konsumgüterhersteller sehen innovative Produkte und Dienstleistungen zu einem wettbewerbsfähigen Preis als Umsatzbringer, selbst dann, wenn die Verbrauchernachfrage insgesamt stagniert, heißt es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) aus dem vergangenen Jahr. Demnach wollten fast 40 Prozent der Hersteller Investitionen in Produktentwicklung und Innovation steigern.

An Studien zum Innovationsprozess, zur Innovationskultur oder zum Innovationsmanagement herrscht übrigens kein Mangel. Die Erkenntnisse sind meist einleuchtend. Innovative Unternehmen wachsen schneller, heißt es da beispielsweise in der schon erwähnte PwC-Innovationsstudie. Innovationen machen Unternehmen erfolgreich, wettbewerbs- und zukunftsfähig, heißt es völlig überraschend in einer Studie der Berater von Horváth & Partners. Dazu bedürfe es aber einer Innovationsstrategie, durchgängige und verzahnte Innovationsprozesse, effiziente Organisationsstrukturen und ganzheitliche Innovationssteuerungsinstrumente. Wer wollte da widersprechen.